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Ein Indianer kennt keinen Schmerz


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Auszug aus Trauer lindern - Hoffnung gewinnen

 

 

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Sebastian Busch
wurde mit dem 'besonderen Blick' geboren. Nicht Weinen,
nicht Quengeln waren seine ersten Gemütsäußerungen,
sondern ein langer, tiefer, verstehender Blick aus großen
dunkelblauen Augen. Ein Augenblick, der die Außenwelt abschirmte
und das Besondere unserer Beziehung weihte.Sekunden später
kniff er die Augen zusammen, wie es für Neugeborene üblich ist
und der Moment der Ewigkeit war vorüber.

Erst 14 Jahre später sollte ich lesen, dass Kinder mit diesem
besonderen Blick auf die Welt kommen, wenn Sie wissen, dass ihr Leben
nur kurz sein wird, wenn sie mit großer Weisheit dieses Erdenleben
beginnen. Wie sollte ich als junge Mutter nicht glauben, dass dieses
wundervolle Wesen, dass alle Menschen um mich herum verzückte,
immer und jeden Tag bei mir sein sollte? Sebastian war ein Kind
mit jungen, unerfahrenen Eltern, erlitt eine Menge Erziehungsversuche,
wurde zu allen Feiern und Aktivitäten mitgeschleppt. Er flirtete
mit jeder Verkäuferin, jeder Oma, jedem, der ihm über den Weg
lief. Ein hübsches Kind, dass alle Koch-, Strick-, Bildungs- und
Pflegeversuche seiner Mutter lächend meisterte. Ein sanftes Kind,
aber ein Kind, dass immer wusste, was es wollte. Mit einer großen
Phantasiewelt im Kopf, einer Welt in die er sich gerne zurückzog,
wenn es ihm in der wirklichen Welt zu laut und anstrengend war. Und
manchmal am Tag kam er und ruhte seinen Kopf an meiner Schulter aus,
ein, zwei Minuten und schon hatte er wieder Kraft getankt für
seine nächsten Unternehmungen. Drei Jahre lang war er das einzige
Kind, heftig geliebt von allen Seiten, dann kamen seine Geschwister und
er wurde ein großer Bruder. Auch das liebte er sehr und sein kleiner
Bruder und seine drei Jahre später geborene Schwester vergötterten
ihn. Es war meistens nicht leicht mit dieser einigermaßen großen Familie,
geringem Verdienst und jung wie wir waren. Aber stolz war ich! Stolz
auf das Beste, was mir je widerfahren war: meine Kinder. Eigentlich
hätte immer alles so weiter gehen können, eine Durchschnitts-
familie mit vielen Problemen und Problemchen, aber eben doch nichts
Besonderes. Bis eines Tages eine Wand fiel und uns von der Außenwelt
abschnitt, während zugleich ein Vorhang aufging und wir mit
erhöhter Aufmerksamkeit auf das Leben um uns herum sahen; in der
Position der Zuschauer. Wir hörten auf, normal und durchschnittlich
zu sein.

Mit großer Wucht, wie sie nur durch die Frage nach Leben oder Tod
hervorgerufen werden kann, wurden wir von unserem Alltag abgeschnitten
und in ein Außenseiterleben gepresst. Doch der Mensch ist anpassungs-
und leidensfähig. Im Laufe der Zeit wurde dieses neue Leben Alltag.
Ein Alltag, den viele mit uns teilten. Aber Ende Januar 1992 ahnten
wir von alledem noch nichts. Bei einem gemütlichen Kaffeetrinken bei
der Oma bekam Sebastian plötzlich Nasenbluten. Das erschreckte uns erst
als wir merkten; wir können das jetzt nicht stoppen. Er hatte
schon fast ein Handtuch vollgeblutet, als wir beschlossen, zum
Notdienst zu fahren. Dieser konnte auch nicht allzu viel unternehmen,
wies uns nur an, die Nasenseite eine bestimmte Zeit zuzupressen, die
Zeit, die das Blut braucht, um zu gerinnen. Und tatsächlich,
danach schien es wieder gut zu sein. Allerdings hatte Sebastian bis
dahin schon enorm viel Blut verloren. Natürlich mussten wir am
nächsten Wochentag zu unserem Kinderarzt zur Kontrolle, aber das
ist ja das normale Verfahren. Dieser fand das heftige Nasenbluten auch
nicht weiter bemerkenswert, da Sebastian gerade erst die Windpocken
hatte, da wäre das nicht ungewöhnlich. Das wollten wir gerne
glauben und unseren Alltag wieder aufnehmen. Doch dazu sollte es nicht
mehr kommen.

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